KINOPOLITIKKinopolitische Positionen

Kinopolitische Positionen

UNIC arbeitet als Interessenvertretung der Kinobetreiber sowohl mit den europäischen Institutionen als auch mit anderen Akteuren der Branche zusammen. Über Veranstaltungen, Publikationen und Treffen mit hochrangigen politischen Entscheidungsträgern möchten wir kontinuierlich auf die soziale, kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung des Kinos hinweisen und die Positionen der Branche zu wichtigen politischen Fragen vermitteln. Weitere Informationen zu unseren wichtigsten politischen Positionen finden Sie weiter unten.

 

Der digitale Binnenmarkt ist eine strategische Initiative der Europäischen Kommission, die am 6. Mai 2015 angenommen wurde. Sie umfasst 16 konkrete Maßnahmen, die die Europäische Kommission bis Januar 2017 umgesetzt hat. Legislativvorhaben werden nun vom Mitgesetzgeber, dem Europäischen Parlament und dem Rat erörtert.

Die Strategie für einen digitalen Binnenmarkt beruht auf drei Säulen:

1. Zugang: Besserer Zugang der Verbraucher und Unternehmen zu digitalen Waren und Dienstleistungen in ganz Europa
2. Umwelt: Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen und gleicher Wettbewerbsbedingungen damit digitale Netze und innovative Dienste florieren können
3. Wirtschaft & Gesellschaft: Optimale Ausschöpfung des Wachstumspotenzials der digitalen Wirtschaft.

Im Rahmen dieser Strategie hat die Europäische Kommission die folgenden Vorhaben für den audiovisuellen Sektor (Audiovisuelle Mediendienste [AVMD], Portabilität usw.) unterbreitet.

Kinos in ganz Europa – unabhängig von Größe und Standort – leisten einen wesentlichen Beitrag zur kulturellen Vielfalt. Sie sind für den wirtschaftlichen und kulturellen Erfolg der europäischen Filmindustrie von wesentlicher Bedeutung und haben einen starken gesellschaftlichen Einfluss. Unsere Branche kann nur erfolgreich bleiben, wenn gewährleistet ist, dass die europäischen politischen Reformen im Zusammenhang mit dem Kino und dem AV-Sektor – einschließlich der Geoblocking-Verordnung, der Portabilitätsverordnung und der Rundfunkanstaltenverordnung – die wichtigsten Grundsätze der Kinowirtschaft nicht verletzen:: Vertragsfreiheit, Territorialität des Urheberrechts und exklusive Kinoauswertung am Anfang der Verwertungskaskade.

Das Exklusivitätsprinzip für Kinostarts prägt die Kinokultur entscheidend mit, da so eine ganz besondere Atmosphäre für bestimmte Filme erzeugt werden kann – eine Strategie, von der letztlich alle Beteiligten in der Wertschöpfungskette profitieren.

Verträge und die Exklusivitätsrechte , die die Wertschöpfung eines Films in verschiedenen Märkten schaffen, tragen dazu bei, Filme effektiv zum Nutzen des Publikums zu produzieren, zu finanzieren und zu verleihen. Jeder Versuch, den territorialen Charakter des Urheberrechts und der Lizenzierung zu beseitigen, hätte erhebliche negative Auswirkungen auf den Kinobetrieb.

Weitere Informationen finden Sie unter „Territorialität und Exklusivität“ auf unserer Seite „Positionspapiere“.

Filmdiebstahl ist die größte Bedrohung der wirtschaftlichen Solidität der Filmindustrie, einschließlich der Kinos. Angesichts des engagierten Kampfes der Kinobetreiber gegen Filmdiebstahl begrüßt die UNIC konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Durchsetzung der geistigen Eigentumsrechte und zur Gewährleistung, dass anhaltende Urheberrechtsverletzungen verhindert werden. Alle Instanzen unterstützen diese Bemühungen und die robusten EU-Vorschriften zur Durchsetzung des Urheberrechts werden in allen Mitgliedstaaten wirksamer umgesetzt.

Kinobetreiber schließen exklusive Vereinbarungen mit Filmverleihern ab, mit denen sie eine Kinolizenz für einen Film in einem bestimmten Gebiet erwerben. Da die Kinobetreiber einerseits einen Prozentsatz ihrer Ticket-Erlöse an den Filmverleih abgeben und andererseits in hochmoderne Kinos investieren, tragen sie wesentlich zur Dynamik der Branche bei. Jede illegale Filmvorführung oder -aufnahme beraubt Kinobetreiber, Filmverleiher, Produzenten und Kreative wichtiger Einnahmen und verhindert weitere Investitionen in die Schaffung und den Verleih künftiger Werke. Sie gefährdet nicht nur die Vielfalt und die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Kinos sondern auch dringend benötigte Arbeitsplätze für Millionen von Europäern, die in der Kreativwirtschaft arbeiten.

Die Verhinderung der Aufnahme von Filmen und Soundtracks in den Kinosälen ist daher eine Priorität für die UNIC-Mitglieder. In diesem Zusammenhang führen die Kinobetreiber und ihre nationalen Verbände eine Reihe von Maßnahmen durch, um Filmdiebstahl zu verhindern, in der Regel eine Kombination von Kampagnen zur Sensibilisierung des Publikums und Programmen gegen Camcording in Kinos. Wir nutzen den jeweiligen nationalen Rechtsrahmen, um mit einer Kombination aus zivil- und strafrechtlichen Mitteln illegale Aufnahmen zu bekämpfen.

Angesichts der erheblichen, auch finanziellen Auswirkungen und Schäden, die der Filmindustrie durch Urheberrechtsverletzungen entstehen, sei es durch Einnahmeverluste und die Abnutzung des Wertes von Rechten, ist die UNIC der Ansicht, dass ein ehrgeizigerer Ansatz zur Bekämpfung von Filmdiebstahl auf europäischer und nationaler Ebene unerlässlich ist. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Unterstützung wirksamer Anti-Piraterie-Lösungen, die den Kinos sowie der gesamten Filmwertschöpfungskette zugutekommen und das weitere Wachstum der Branche gewährleisten.

Weitere Informationen finden Sie unter „Investitionen belohnen“ auf unserer Seite „Positionspapiere“.

Die AVMD-Richtlinie regelt die EU-weite Koordinierung der nationalen Rechtsvorschriften für alle audiovisuellen Medien. Die Richtlinie enthält Bestimmungen, die die Rechtsgrundlage für das sog. Filmfenster bilden (Artikel 8).

Im Mai 2016 schlug die Europäische Kommission eine Novellierung der AVMD-Richtlinie vor, die die Rechtsgrundlage für Filmfenster beibehält. Ferner gibt dieser Novellierungsvorschlag den Mitgliedstaaten erstmal die Möglichkeit, finanzielle Beiträge, auch für nationale Fonds, von On-Demand-Diensten einzufordern, die zwar in anderen Mitgliedstaaten niedergelassen sind, jedoch auf das nationale Publikum abzielen (Artikel 13.2).

Dieser neue Artikel 13.2 spiegelt ein zentrales Anliegen der UNIC perfekt wieder: die Gewährleistung des faireren Wettbewerbs zwischen allen Stakeholdern. Die UNIC begrüßt die den Mitgliedstaaten eingeräumte Möglichkeit, finanzielle Beiträge von Online-Diensten zu verlangen, die in anderen Ländern niedergelassen sind, aber ein nationales Publikum ansprechen. Dies ist unserer Ansicht nach ein positiver Schritt zur Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen zwischen neuen Online- und bestehenden Akteuren.

Weitere Informationen finden Sie unter „AVMD-Richtlinie“ auf unserer Seite „Positionspapiere“.

Creative Europe MEDIA ist ein Förderprogramm für die europäische Film- und Fernsehindustrie, das in erster Linie den Filmverleih unterstützt. Über das Programm fördert die EU auch das Europa Cinemas-Netzwerk, das Ausbildung und Vernetzung sowie finanzielle Unterstützung für Kinos bietet, die überdurchschnittlich viele nicht-nationale europäische Filme zeigen. 

Am 30. Mai 2018 nahm die Europäische Kommission im Rahmen des mehrjährigen Finanzrahmenvorschlags für 2021-2027 einen Vorschlag für eine Verordnung zur Einrichtung des Creative Europe-Programms an.

Laut aktueller Analyse hat das MEDIA-Programm zahlreiche Vorteile, etwa die Unterstützung des grenzüberschreitenden Verleihs nicht-nationaler europäischer Filme. die Tatsache, dass MEDIA-unterstützte Filme pro Jahr mehr als 65 Millionen ausländische Zuschauer erreichten sowie das Europa Cinemas-Netzwerk, dessen kosteneffektives Projekt dazu geführt hat, dass jeder investierte Euro einen Umsatz von schätzungsweise 13 € generiert hat.

Die oben genannten Ergebnisse sind in den Vorschlag der Europäischen Kommission zur Unterstützung der Kultur- und Kreativwirtschaft eingeflossen und sind somit im relevanten Teil des am 2. Mai 2018 veröffentlichten Vorschlags für den nächsten mehrjährigen Finanzrahmen nach 2020 enthalten. Der Vorschlag wurde am 30. Mai 2018 angenommen und beinhaltet eine deutliche Erhöhung des MEDIA-Haushalts – von 820 Mio. EUR auf 1,08 Mrd. EUR.

Der Haushaltsvorschlag wird nun von den EU-Institutionen erörtert, wobei die endgültige Entscheidung dann einstimmig mit Zustimmung des Europäischen Parlaments dem Rat zufällt. Einige Mitgliedstaaten haben bereits ihre Bedenken gegen diesen ehrgeizigen Vorschlag geäußert und beklagt, dass eine kleinere EU zu einem kleineren Haushalt hätte führen müssen. Die vorgeschlagene Verordnung für das neue Creative Europe Programm wird auch vom Europäischen Parlament und vom Rat erörtert und angenommen.

Weitere Informationen finden Sie unter „Creative Europe MEDIA“ auf unserer Seite „Positionspapiere“.

Innovative Entwicklungen in der gesamten Branche haben es den Kinobetreibern ermöglicht, ihr Angebot zu kuratieren und sich stärker als je zuvor mit ihrem Publikum zu vernetzen. Verbesserungen in Bezug auf Ton- und Bildqualität machen das Kinoerlebnis immersiver, während Strategien zur Interaktion mit dem Publikum – wie Social Media, Datenanalyse und gezieltes Marketing – es Kinos ermöglichen, ihr Publikum auf neue Weise zu erreichen und die sozialen Dimensionen des Kinobesuchs weiterentwickeln.

Weitere Informationen finden Sie unter „Innovation und Technologie“ auf unserer Seite „Positionspapiere“.

Kinos stellen ein vielseitiges Mittel für die Gemeinschaft dar. Alle Standorte, unabhängig von ihrer Größe, versorgen ihre lokalen Regionen mit einer wertvollen Ressource, einem gerne genutzten Treffpunkt für eine Bandbreite von Menschen vor Ort. Viele sind „Kulturzentren“, die nicht nur Zugang zu Programmkino- und anderen spezialisierten Filmen bieten, sondern auch zu anderen Künsten und zu Möglichkeiten des kreativen Ausdrucks. Und die meisten bieten dringend benötigte Arbeitsplätze für ihr Umfeld, entweder direkt oder durch die Unterstützung lokaler Dienstleister und Lieferanten. Das Kino ist und bleibt der „Goldstandard“ für das gemeinsame Erlebnis eines Films auf der großen Leinwand, ganz so, wie es sich die Filmemacher vorgestellt haben.

 

Kinobetreiber weltweit erkennen an, dass Musik ein integraler Bestandteil des Filmerlebnisses ist und dass Komponisten und Texter, wie alle anderen Mitwirkenden an den kreativen Prozessen des Filmemachens, eine angemessene Vergütung für ihre Beiträge erhalten sollen. Die meisten Kinos in den UNIC-Mitgliedsländern leisten erhebliche Zahlungen an Verwertungsgesellschaften um sicherzustellen, dass Songwriter, Komponisten und andere Schöpfer für die Verwendung ihrer Werke in Filmen und Theatern angemessen vergütet werden. Dennoch ist es wichtig, dass die gezahlten Lizenzgebühren den Wert der Musik für das Gesamterlebnis angemessen widerspiegeln. Darüber hinaus muss das System transparent gestaltet sein, damit klar ist, wie Kreative für ihre Arbeit belohnt werden.

Die Kinobetreiber sind bestrebt, jedem den Kinobesuch zu ermöglichen und investieren daher erheblich in die Barrierefreiheit von Kinos und den entsprechenden Einrichtungen. Jeder sollte die Möglichkeit haben, seine Lieblingsfilme auf der großen Leinwand zu sehen. Kinobetreiber haben daher, oft auf freiwilliger Basis, innovative Modelle zur Verbesserung des Zugangs eingeführt. In vielen Fällen machen diese freiwilligen Lösungen staatliche Regulierung überflüssig. Sieht die Regierung jedoch Handlungsbedarf, sind erfahrungsgemäß die Lösungen am tragfähigsten, die den Input sowohl von Kinobetreibern als auch von Kinobesuchern einbeziehen.

Kinos in vielen UNIC-Mitgliedsländern genießen aufgrund ihres Wertes als kulturelle Stätte ermäßigte Mehrwertsteuersätze auf Tickets. Allerdings sind Kinos in anderen Ländern häufig von einer übermäßigen Besteuerung bedroht, was sich negativ auf die Fähigkeit der Betreiber auswirken könnte, im Sinne der Kinobesucher zu investieren. Solche Mehrwertsteuererhöhungen mögen kurzfristig die Einnahmen der öffentlichen Hand steigern, langfristig können sie jedoch sowohl für die Branche als auch für den Staat besonders schädlich sein.

Weitere Informationen finden Sie unter „Besteuerung“ auf unserer Seite „Positionspapiere“.